Es beginnt wie immer mit Max’ unerschütterlicher Weisheit: «Ich kauf mir ein Auto, das Sinn macht!» Ein Satz, der ungefähr so glaubwürdig rüberkommt, als würde eine Katze versprechen, nie wieder auf den Küchentisch zu springen. Diesmal will er es aber wirklich wissen. Keine Karren mit «Ich kompensiere was»-Vibes, keine 500-PS-Monster, die beim Anlassen mehr CO₂ ausstossen als die Hauptstadt von Grönland in einem Jahr. Nein, Max hat entschieden: Es wird ein Auto der Vernunft. Umweltfreundlich, leise, minimalistisch. Ein Auto, das Flüstertüten statt Auspuffrohre hat.
Natürlich begleite ich ihn, denn so etwas will man nicht verpassen. Wir stehen also bei diesem Autohändler, der seine Fahrzeuge auf dem Asphalt wie Pokale drapiert hat, und Max läuft schnurstracks auf einen SUV zu, der so gross ist, dass man ihn eigentlich bei der NASA anmelden müsste. Der Verkäufer, ein aalglatter Typ mit einem Lächeln, das vermutlich wasserabweisend ist, springt auf ihn zu: «Ah, das perfekte Modell für Sie! Voll ausgestattet, 600 PS und genug Stauraum für einen kompletten Umzug oder… einen Kleinwal!» Max nickt anerkennend, und ich sehe es in seinen Augen: Der innere Kampf hat begonnen.
«Max», sage ich, während er die motorisierte Festung umkreist, «war nicht von Umweltfreundlichkeit die Rede?» Aber Max winkt ab. «Nur mal schauen. Schaden kann’s ja nicht.» Ein Satz, der erfahrungsgemäss immer damit endet, dass jemand ein neues Auto oder eine unnötige Küchenmaschine besitzt.
Doch dann entdeckt er ihn. Den «vernünftigen» Wagen. Ein kleines Elektroauto, das aussieht, als hätte jemand einen Toaster mit einem Bobbycar gekreuzt. Der Verkäufer wechselt die Strategie. Weg vom Grosswildjäger-Charme, hin zu leise entflammbarer Begeisterung: «Das ist unser modernstes Modell! Fährt emissionsfrei, super effizient und… na ja, Reichweite ist relativ.» Relativ? Max runzelt die Stirn. «Wie relativ?» Der Verkäufer lächelt schmallippig. «Naja, wenn Sie es sehr effizient fahren, kommen Sie vielleicht auf 250 Kilometer. Bergab. Mit Rückenwind.»
Max kratzt sich am Kopf. «Und der Preis?» Der Verkäufer nennt eine Summe, die klingt, als würde das Auto mit Goldstaub lackiert. Max starrt ihn an, als hätte er gerade gesagt, dass Erdbeerkonfitüre eine legitime Pizza-Zutat ist. «Das soll nachhaltig sein? Nachhaltig für wen? Milliardäre?» Der Verkäufer zuckt mit den Schultern. «Nachhaltigkeit hat halt ihren Preis.»
Max macht einen Schritt zurück. Ich sehe, wie seine moralische Fassade bröckelt. Und dann geschieht es: Aus den Augenwinkeln entdeckt er das Auto seiner Träume. Einen Sportwagen, so glänzend, dass er vermutlich die internationale Raumstation blendet. Max’ Kiefer klappt auf. «Was ist das?» flüstert er ehrfürchtig. Der Verkäufer sieht seine Chance: «Ah, der Neue! 800 PS, von null auf hundert in drei Sekunden, und die Sitze sind beheizt. Aus… echtem Alpaka-Leder.»
Max schluckt. «Ist Alpaka nachhaltig?» Der Verkäufer nickt sofort. «Total. Die Tiere werden sogar dabei gekrault.»
In Max’ Kopf tobt ein Orkan. Umweltfreundlichkeit gegen den Reiz, sich wie James Bond auf Speed zu fühlen. Ich sehe, wie er zögert. «Max», flüstere ich, «denk an Greta. Denk an die Kinder der Zukunft!» Aber Max hört nichts. Er sitzt schon im Wagen, die Hände auf dem Lenkrad, während der Verkäufer ihm einredet, dass ein Auto wie dieses genau das sei, was er im Leben brauche.
Und so endet der Tag mit Max, der aus dem Verkaufsraum rollt, ein Lächeln auf den Lippen und einem SUV-Sportwagen-Hybrid unterm Hintern. «Weisst du», sagt er zu mir, «man lebt nur einmal. Und mit so einem Ding… macht man’s wenigstens stilvoll.» Ich nicke langsam. Stilvoll? Vielleicht. Aber nachhaltig? Nicht mal ansatzweise.
Gruss, Euer moralisch erschöpfter Beifahrer.




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