Früher war Flirten simpel. Man ging ans Dorffest, trank drei Feldschlösschen zu viel, stand plötzlich auf dem Biertisch, gröhlte «Ich fand sie irgendwo, allein in Mexiko – Aniiiitaaaa!» aus voller Kehle – und tanzte später engumschlungen mit jemandem, dessen Vornamen man frühestens am übernächsten Tag erfuhr. Wenn überhaupt.
Damals brauchte man kein Profilbild – man hatte ein Gesicht. Und zwar live, in Farbe, mit leichtem Sonnenbrand und einem Senffleck auf dem T-Shirt. Wer Interesse hatte, kam rüber. Wer keines hatte, schaute demonstrativ in die andere Richtung – das reichte damals als «Unmatch».
Und wenn man Glück hatte, ging man gemeinsam nach Hause – oder zumindest bis zum Waldrand. Wenn man Pech hatte, ging man mit jemandem nach Hause und wachte auf mit dem dringenden Bedürfnis, sein Leben zu überdenken.
Es gab keine Likes, nur Lächeln. Keine Emojis, nur schiefe Zähne. Kein «Hey 😊», sondern ein «Hoi, tanze mer?». Und niemand fragte nach deinem Sternzeichen – höchstens, ob du den Turnverein-Ausflug am nächsten Tag überlebst.
Es war ehrlich. Es war peinlich. Es war herrlich.
Natürlich gab’s auch damals Körbe – nur halt nicht mit einem Wisch, sondern direkt ins Gesicht.
Schmerzhaft, ja. Aber wenigstens wusste man, woran man war. Kein Ghosten, höchstens ein Verduften im Morgengrauen.
Und weisst du was? Trotz fehlendem WLAN, trotz schlechter Beleuchtung und trotz alkoholbedingtem Gleichgewichtsverlust – es hat funktioniert. Es wurde geliebt, gestritten, geheiratet, betrogen, geschieden – wie heute. Nur halt mit weniger Swipe und mehr Schwung.
Vielleicht war nicht alles besser. Aber eines war sicher:
Wenn man früher jemanden kennenlernen wollte, musste man zuerst tanzen –
nicht zuerst 73 Fragen beantworten, eine Sonnenuntergangscollage posten und den Datenschutzrichtlinien zustimmen.




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