Seit meiner Pensionierung habe ich endlich Zeit, mich meiner grossen Leidenschaft zu widmen: dem Frauen-Loben. Ein Hobby, das auf den ersten Blick harmlos klingt – so, als würde ich in meiner Freizeit Briefmarken sortieren oder Tauben füttern. Aber nein. Frauen zu loben ist eine Disziplin, die riskanter ist als Base-Jumping mit einem Regenschirm: dem Frauen-Loben.
Mein erster Versuch war ein Desaster. Ich sah eine Busfahrerin, die ihr riesiges Gefährt rückwärts durch eine enge Baustelle manövrierte, als hätte sie den Führerschein bereits im Mutterleib erworben. Begeistert sagte ich: «Wow! Ich kenne Männer, die mit einem Smart nicht so gut einparken können!»
Sie schaute mich an. Lang. Sehr lang. Dann sagte sie mit kühler Präzision: «Soll das ein Kompliment sein?»
Ich spürte die Blicke der Fahrgäste auf mir brennen. Die Situation hätte nicht unangenehmer sein können, selbst wenn ich in Unterhose dasass. Ich rettete mich mit einem gequälten «Also… Respekt!» sprang an der nächsten Haltestelle aus dem Bus und entschied, es besser zu machen.
Mein nächster Versuch: eine Kassiererin im Supermarkt. Ich stand an der Kasse und staunte über ihre unfassbare Geschwindigkeit. Ihre Hände flogen nur so über den Scanner, schneller als mein Hirn die Artikel erfassen konnte. Ich wollte mich bedanken und sagte: «Meine Güte, Sie sind ja schneller als die meisten Männer, die ich kenne!»
Stille.
Dann ein scharfes Lächeln. «Ach. Und wieso muss ich jetzt mit Männern verglichen werden?»
Ich murmelte etwas von «rein subjektive Beobachtung» und verschwand schneller aus dem Laden, als sie meine Bonuskarte scannen konnte. Aber ich gab nicht auf. Frauen verdienen schliesslich Lob!
Also startete ich einen neuen Versuch, diesmal mit mehr Bedacht. In der Werkstatt meiner Autogarage schraubte eine Mechanikerin mit stoischer Ruhe an einem Motorblock herum, während um sie herum Funken flogen, Hydraulikpressen zischten und irgendwo ein Mechaniker auf einen Reifenflansch fluchte. Ich wartete den perfekten Moment ab und sagte dann:
«Wirklich beeindruckend, wie Sie das machen!»
Sie nickte freundlich. Hoffnung keimte in mir. Vielleicht hatte ich es endlich richtig gemacht! Vielleicht war ich diesem gefährlichen Hobby endlich gewachsen!
Doch dann – fataler Übermut. Mein Gehirn wollte sich bedanken, aber mein Mund entschied sich für etwas völlig anderes:
«Das ist ja faszinierend! Ich wusste gar nicht, dass man mit so feinen Händchen so grobes Werkzeug bändigen kann!»
Stille. Werkstatttemperatur sank auf «arktische Eiszeit mit Aussicht auf spontane Eruption».
Die Mechanikerin hielt inne, legte den Schraubenschlüssel ganz langsam beiseite und schaute mich an, als hätte ich ihr gerade vorgeschlagen, den Ölwechsel mit Glitzerlack zu veredeln.
«Weil ich eine Frau bin?» fragte sie mit der Ruhe eines Raubtiers, das entscheidet, ob sich das Jagen lohnt.
Mein Fluchtinstinkt erwachte. Ich murmelte hastig etwas von «Missverständnis», «Kompliment gemeint» und «oh, schauen Sie mal, ein fliegender Zylinderkopf», dann drehte ich mich um und verliess die Werkstatt so schnell, dass ich vermutlich als verwischter Schatten auf der Überwachungskamera zu sehen bin.
Am Abend berichtete ich Max von meinen Rückschlägen. Er lachte so sehr, dass er fast sein Bier verschüttete. «Du kannst Frauen doch nicht einfach LOBEN! Jedenfalls nicht so. Das klingt immer entweder gönnerhaft oder verdächtig.»
«Aber Männer haben doch Jahrhunderte lang einfach so Lob kassiert,» protestierte ich.
Max nickte. «Ja, aber das war halt Patriarchat. Jetzt musst du subtiler sein.»
Also startete ich einen neuen Versuch. Ich ging in eine Buchhandlung und sagte zur Buchhändlerin: «Ihre Literaturempfehlungen sind wirklich grossartig. Sie haben ein tolles Gespür für Bücher.»
Sie lächelte. Ich fühlte mich wie Indiana Jones, der gerade eine tödliche Falle umgangen hatte. Vielleicht war ich doch noch nicht verloren!
Dann, euphorisiert durch meinen Erfolg, setzte ich nach: «Es ist wirklich beeindruckend, wenn eine Frau so eine Expertise hat!»
Ihr Lächeln verschwand. «Oh. Und das ist… selten?»
Ich floh.
Drei Wochen später erhielt ich Post von der «Behörde für unfreiwillig missverstandene Komplimente». Ich wurde aufgefordert, meine Lobesaktivitäten auf ein Minimum zu beschränken oder mir vorher eine Schulung in «neutraler Anerkennung» zu gönnen.
Bei der Anhörung sagte ich zur Vorsitzenden: «Bevor wir anfangen, möchte ich sagen, dass Sie diese Sitzung mit einer Professionalität führen, die ihresgleichen sucht.»
Ich wurde zu 14 Jahren diplomatischer Zurückhaltung verurteilt. Immerhin auf Bewährung. Man ist ja fair.




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