Mein Kumpel Max – ein Don Juan in der Midlife-Crisis deluxe. Gut, er ist ein leidlich gut erhaltener Single-Mann und schwingt sich mit dem Enthusiasmus eines Teenagers auf jedes Liebes-Karussell, das sich ihm bietet. Nur leider endet die Fahrt bei ihm meistens nicht im Märchenland, sondern im Notausgang. Danach kommt er regelmässig mit riesigem Seelenschmetter zu mir, als wäre ich seine persönliche Dr.-Sommer-Rubrik. Und ich? Ich mache mir einen Kaffee und lausche, wie er mir die wildesten Abenteuer seines amourösen Chaoslebens ausbreitet.
Kürzlich war er auf einem Speed-Dating. Er kommt völlig entnervt zu mir, setzt sich auf die Couch und sieht aus, als hätte er einen 12-Stunden-Flug neben einem schreienden Baby hinter sich. «Nie wieder Speed-Dating», stöhnt er und kippt seinen Kaffee runter, als wäre es Whiskey. «Das war nicht Dating, das war ein Casting für eine schlechte Reality-Show!»
Ich lehne mich gespannt zurück. Wenn Max anfängt zu erzählen, ist es wie Netflix in der Live-Version.
- Station: «Die Fragenstellerin»
«Sie hat mir drei Sekunden lang in die Augen geschaut und dann direkt losgelegt: ‚Was sind deine Fünfjahresziele? Kannst du mit Kindern umgehen? Würdest du deinen Eltern zum 80. eine Kreuzfahrt schenken?’», sagt Max. «Ich hatte nicht mal Zeit, hallo zu sagen, da wollte sie schon wissen, ob ich ein Ferienhaus in der Toskana kaufen will.» Max hat geantwortet, dass er immerhin eine Zimmerpflanze besitzt, die seit drei Wochen lebt – und wurde sofort abgehakt. - Station: «Die Lebensphilosophin»
«Die nächste hat mir erklärt, dass sie keine materielle Liebe sucht, sondern eine spirituelle Verbindung. Ich dachte, das klingt interessant, bis sie einen Kristall aus ihrer Tasche gezogen hat und meinte, ich solle den erstmal aufladen, bevor wir weitermachen.» Max wollte höflich bleiben und hat den Kristall in seine Hosentasche gesteckt. «Aber dann hat sie gesagt, sie kann meine Aura nicht fühlen, weil ich zu viel Kaffee trinke.» Und das war der Moment, wo Max ihre Nummer innerlich verbrannt hat – während er den nächsten Espresso genussvoll in einem Zug kippte. - Station: «Die Hobby-Psychologin»
«Die Dritte war… speziell», sagt Max und verzieht das Gesicht, als würde er sich an einen Horrorfilm erinnern. «Sie hat mich die ganze Zeit analysiert. ‚Du bist ein typischer Steinbock, stimmt’s? Du hast diese… kontrollierende Energie.’» Max hatte keine Ahnung, was er darauf sagen sollte, also hat er unschuldig gelächelt. «Das war offenbar die falsche Antwort. Sie hat mir ins Gesicht gesagt, dass ich emotionale Bindungsprobleme habe – und ich dachte mir nur: Okay, wir haben uns vor 90 Sekunden kennengelernt.» - Station: «Die Abenteurerin»
«Endlich mal eine Frau, die spannend klang!», erzählt Max. Sie habe ihm von ihren Solo-Reisen durch den Amazonas erzählt, von Haien, denen sie beim Tauchen begegnet sei, und von ihrem Hobby, Fallschirmspringen. «Das Problem war nur: Nach zehn Minuten war klar, dass sie niemanden sucht, sondern einen Sponsor für ihren nächsten Trip nach Madagaskar.» Ihre letzte Frage: «Wie stehst du zu Crowdfunding?» Max‘ Antwort: «Ich unterstütze lieber Katzenvideos auf YouTube.» - Station: «Die Schweigerin»
«Und dann kam sie. Die Frau der grossen Worte – oder eher der fehlenden Worte.» Sie habe Max nur wortlos angestarrt, wie ein Faultier auf Beruhigungsmitteln. Nach zwei Minuten Stille sagte sie: «Ich mag Männer, die tiefgründig schweigen können.» Max kontert: «Ich mag Frauen, die Smalltalk beherrschen.» Ende der Konversation.
«Am Ende des Abends fühlte ich mich wie der letzte Teilnehmer bei ‘Ninja Warrior’», sagt Max, «nur ohne Pokal. Nie wieder Speed-Dating!»
Ich hab’ ihn getröstet und gesagt, er solle sich keine Sorgen machen – die wahre Liebe findet sich schon, vielleicht nicht beim Speed-Dating, aber spätestens dann, wenn ihm jemand den letzten Nussgipfel im Café mit einem Lächeln überlässt. «Und Max», habe ich hinzugefügt, «falls das nicht klappt, reduziere einfach mal den Kaffeekonsum. Deine Aura soll ja nicht vor lauter Koffein vibrieren.» Er hat gelacht – oder gezittert, das war bei all dem Espresso schwer zu sagen.




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