Ihr Lieben, draussen herrscht eine Kälte, bei der selbst Pinguine freiwillig näher an den Äquator ziehen würden. So kalt, dass der Atem gefriert, bevor man überhaupt «Winter ist toll!» sagen kann. Aber drinnen? Drinnen ist eine ganz andere Welt. Nicht etwa gemütlich, sondern so heiss, dass der Schweiss von der Stirn tropft, sobald man einen Schritt hineinmacht. Denn: Ich bin verheiratet. Mit einer wundervollen Frau. Einer grossartigen Frau. Einer Frau, die denkt, dass Raumtemperatur erst bei 28 Grad beginnt.
Wir sprechen hier nicht von wohlig warm – nein, wir sprechen von «Willkommen in der Tropenhalle des Zoos».
Akt 1: Die Entdeckung
Gestern, 13:00 Uhr. Ich komme vom Singen in der Kirche Waldenburg zurück. Ein Moment der inneren Ruhe, der Besinnung – dachte ich. Bis ich die Haustür öffnete und von einer Hitzewelle erfasst wurde, die mich beinahe zurück auf den Kirchhof gepustet hätte. «Was zum…?» dachte ich, während ich meine Winterjacke ablegen wollte – nur um festzustellen, dass ich diese im Tropenklima meiner eigenen Wohnung gar nicht ablegen konnte, ohne dabei zu verdampfen.
Ich blicke zum Thermostat: 28 Grad. Leute, das ist nicht mehr «Wohnzimmer», das ist eine finnische Sauna mit Sofa! Ich drehe mich zu Kunigunde, die in einem Wollpulli (!) eingemummelt auf dem Sofa sitzt, unter einer Decke (!), und Tee schlürft. Ihre einzige Reaktion? «Mir war ein bisschen frisch.» FRISCH?! Ich schwitze, als hätte ich gerade einen Marathon gelaufen – dabei wollte ich nur ins Zimmer gehen, um den Computer hochzufahren.
Akt 2: Die Eskalation
Ich bin ein Mann der Diplomatie. Ich dachte, ich kann das friedlich lösen. Also drehte ich das Thermostat runter. Still. Heimlich. Auf 21 Grad, die in meiner Welt als angenehm gelten. Doch kaum sitze ich fünf Minuten später im Raum, steht sie auf, ohne ein Wort zu sagen, und dreht das Ding zurück auf 28. Der Blick, den sie mir dabei zuwarf, war eine Mischung aus «Willst du Streit?» und «Ich habe die besseren Anwälte.»
Akt 3: Der Gegenschlag
Sonntagabend. Kunigunde geht früh ins Bett, wie immer vor einem Montag, weil sie montags sehr früh aufstehen muss. Das ist meine Chance. Um 21:30 Uhr schleiche ich mich ins Wohnzimmer, bereit für den grossen Gegenschlag. Ich drehe das Thermostat auf 19 Grad. Eine Temperatur, die endlich das Tropenklima auslöscht und die Wohnung wieder bewohnbar macht.
Doch glaubt ihr, ich konnte meinen Triumph geniessen? Nein! Um 3 Uhr nachts wache ich auf, weil es plötzlich wieder brütend heiss ist. Der Thermostat? Wieder bei 28 Grad. Kunigunde? Neben mir, zufrieden lächelnd, während sie tief und fest schläft. Ich schwöre, sie hat das im Schlaf gemacht – oder sie hat einen heimlichen Alliierten. Vielleicht die Katze. Vielleicht das Thermostat selbst.
Das Fazit:
Das Thermostat ist in meiner Ehe kein Haushaltsgerät. Es ist ein Schlachtfeld. Kunigunde? Eine Meisterstrategin, die ihren Feldzug für Tropenhaus-Level 28 unbeirrt führt. Aber ich? Ich bin ein Mann, der an seiner Überzeugung festhält: Temperaturen über 21 Grad sind gegen die Menschenrechte.
Also werde ich kämpfen. Mit allen Mitteln. Ob durch nächtliche Thermostat-Manöver, taktisches Stosslüften oder den geheimen Einsatz eines portablen Kühlventilators – der Krieg ist nicht vorbei. Kunigunde hat zwar den Sonntag gewonnen, aber der Montag gehört mir.
Meine Devise? Cool bleiben. Im wahrsten Sinne des Wortes.




0 Kommentare