Mein Abenteuer im Aldi Bubendorf

Aldi, Bubendorf. Kürzlich eröffnet. Und ich habe mich erstmals hinbemüht. Als Rentner fühlt man sich ja fast verpflichtet, solche Ereignisse zu feiern – fast wie die Einweihung eines neuen Dorfladens, nur mit mehr fluoreszierendem Licht und weniger Herzlichkeit. Mein Plan: Butter, Milch und vielleicht eine Packung Appenzeller Kräuterbonbons. Was ich bekam, war ein ungewollter Crashkurs in Survival-Strategien für Rentner.

Schon am Eingang begrüsste mich das übliche Spektakel: Rentner in Scharen, bewaffnet mit Einkaufswägen, Rollatoren und einer Entschlossenheit, die man sonst nur bei Leuten sieht, die um den letzten Gratis-Müesliriegel kämpfen. Eine Dame in einer lilafarbenen Jacke schob ihren Wagen so kompromisslos durch die Menge, dass ich befürchtete, sie würde am Ende der Gänge Bremsspuren hinterlassen. Neben mir schnaufte ein älterer Herr, der mich eindringlich warnte: «Bleiben Sie weg von den Aktionskörben! Das ist nichts für Anfänger!» – Ein weiser Mann, wie sich später herausstellen sollte.

Doch ich, naiv und optimistisch, wagte mich in die Gänge. Der erste Stopp: die Kühltheke. Ich wollte Frischmilch – Schweizer Frischmilch natürlich, keine dieser Auslandsprodukte. Doch der Kühlbereich war bereits belagert. Ein älterer Herr hatte sich strategisch vor der Milch platziert und diskutierte mit einer Dame über den Unterschied zwischen Voll- und Halbfettmilch. «Das Fett gibt den Geschmack!» rief er empört, während die Dame ihm mit einer Packung laktosefreier Milch drohte, als wäre es eine Waffe. Ich wollte gerade höflich dazwischenfunken, als ein Rollator meinen Knöchel rammte. «Junger Mann, machen Sie Platz!» rief eine ältere Dame mit der Statur eines Preisringers. «Junger Mann», dachte ich. Wenigstens das.

Die Aktionskörbe waren ein Kriegsschauplatz, wie ich es mir nicht einmal in meinen schlimmsten Träumen vorgestellt hätte. Hier tobte der Kampf um ein «Schweizer Raclette-Gerät mit Multifunktion». Eine Dame griff zu, ein anderer Herr zerrte am Karton, und ich schwöre, ich sah Funken sprühen. Als der Herr schliesslich losliess, brummte er grimmig: «Dann geniessen Sie Ihr Raclette, aber nicht sagen, ich hätte Sie nicht gewarnt!» Hinter mir eine Dame mit einer Packung Aldi-Teelichtern, die immer wieder gegen meinen Wagen stiess. «Machen Sie vorwärts, mein Bus kommt gleich!» sagte sie mit einem Hauch von Panik in der Stimme.

An der Kasse dann der Höhepunkt. Ich stand mit meiner Butter, der Milch und – fragt mich nicht, wie es in den Wagen gekommen ist – einer Packung Schweizer Alpenhonig. Vor mir ein älterer Herr, der sein Portemonnaie mit der Ruhe eines Zen-Meisters leerte. Ich schwöre, er zählte jedes einzelne Fünferli doppelt. Hinter mir eine Dame, die mir im Fünf-Sekunden-Takt in die Hacken fuhr.

Als ich endlich draussen stand, fühlte ich mich wie ein Held, der gerade den Rückzug aus einem hoffnungslosen Kampf geschafft hat. Mein Einkauf? Butter, Milch, und dieser Honig, den ich immer noch nicht erklären kann. Dazu ein Kratzer am Bein und ein verdächtiger Abdruck eines Rollators an der Wade. Aber hey, ich habe es überlebt.

Gruss, euer unbeugsamer Einkaufskrieger.

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