Es ist ja eine der grossen Fragen der Menschheit. Quasi das «Was war zuerst, Huhn oder Ei?» der modernen Beziehung: «Was denkst du gerade?» Und ich sag mal so, diese Frage hat schon mehr Spannung erzeugt als jedes Staffelfinale von Game of Thrones.
Denn während sie diese Frage stellt, sieht sie mich an, mit einem Blick so tiefgründig wie ein Philosoph, der am dritten Glas Rotwein nippt. Es liegt so viel Erwartung darin, so viel Hoffnung auf eine kluge, romantische, tiefsinnige Antwort, dass ich fast nervös werde. Und was kommt bei mir raus? Ehrlich? «Gar nichts.» Boom. Das ist der Moment, in dem ich sehe, wie in ihrem Kopf ein Feuerwerk aus Fragezeichen losgeht.
Und hier kommt der Knackpunkt: Frauen KÖNNEN einfach nicht glauben, dass ein Gehirn leer sein kann. Für sie ist der Gedanke daran, nichts zu denken, so fremd wie ein IKEA-Möbel ohne Schrauben. Ihr Kopf? Dauermodus. Da ist immer Betrieb, wie in einer Grossküche kurz vor dem Mittagstisch. Es wird geplant, analysiert, abgewogen. Und dann komm ich daher wie ein rostiger Toaster und sage, ich hab’ den Stecker gezogen. Das passt nicht zusammen.
Was sie allerdings nicht versteht: Männer haben die grandiose Fähigkeit entwickelt, ihren Kopf in den Stand-by-Modus zu versetzen. Wir haben da quasi eine Art Gedankensparflamme. Und diese Flamme lodert gerade mal so hoch, dass wir es schaffen, weiterzuatmen. Ansonsten? Totale Leere. Ich sitze da, starre ins Nichts und bin in einem Zustand, der irgendwo zwischen Meditation und Koma liegt. Und dann haut sie die Frage raus. «Was denkst du gerade?»
Na ja, und was soll ich dann sagen? Die Wahrheit? «Ob ich es schaffe, diesen Popcorn-Kern mit der Zunge aus meinem Zahn zu kriegen.» Oder: «Warum gibt es eigentlich keine Chips-Tüten mit Selbstschliess-Mechanismus?» Klingt jetzt nicht gerade wie der Stoff für Liebesgedichte, oder? Also sage ich lieber: «Ach, nichts.»
Was dann passiert, ist jedoch faszinierend: Während ich einfach nur den mentalen Ausschaltknopf gedrückt habe, geht bei ihr das Gedankenkarussell an. Und das ist kein normales Karussell. Nein, das ist der riesige Jahrmarkt mit Lichtern, Zuckerwatte und diesem Typen, der ständig ins Mikro brüllt: «Hier kommt die wilde Maus, bitte festhalten!» Es fängt harmlos an: «Meint er wirklich nichts?» – «Vielleicht ist er sauer.» – «Warte, hat er mich gerade dick genannt?» – «Oder er denkt an eine andere?» – «Ich wusste es, er plant, nach Australien auszuwandern und eine Surfschule zu eröffnen!»
Und da sitze ich, immer noch bei meinem Popcorn-Kern und frage mich, warum ich plötzlich angeschrien werde, obwohl ich nur geatmet habe.
Aber ich habe gelernt. Die Lösung liegt nicht darin, schlauer zu wirken. Es geht darum, die Erwartung zu lenken. Ein einfaches: «Ich habe gerade darüber nachgedacht, wie schön du heute aussiehst.» Zack. Das Karussell stoppt. Alle aussteigen, die Show ist vorbei.
Manchmal ist das Leben wie ein Seiltanz über einem Haifischbecken: Es geht nicht darum, perfekt im Gleichgewicht zu sein, sondern darum, sich mit einem charmanten Wort so elegant wie möglich ans andere Ufer zu retten – bevor der hungrige Zweifel zuschnappt.




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