Es beginnt immer harmlos. Der Tag war lang, und mein Buch hat mich wie ein treuer Gefährte durch die Kapitel eines anderen Lebens getragen. Ich habe Abenteuer erlebt, Intrigen aufgedeckt und mich auf den letzten Seiten emotional verausgabt. Jetzt winkt das Bett – ein Versprechen von Frieden, Ruhe und wohltuender Erholung.
Ich schlüpfe unter die Bettdecke, die sich wie eine warme Umarmung um mich legt. Mein Körper sinkt in die Matratze, meine Gedanken verblassen, und ich höre fast schon das sanfte Rauschen meines inneren Schlafmodus, der sich anschaltet. Doch dann spüre ich es. Ein Knistern in der Luft. Ein leises, unheilvolles Flüstern, das von eisigen Vorahnungen getragen wird.
Sie ist da.
Meine Frau, diese wunderbare Mischung aus Herzenswärme und polarem Tiefkühlgut, liegt neben mir. Und sie hat einen Plan. Einen Plan, der so kaltblütig ist, dass selbst ein Thriller-Autor ihn nicht hätte erfinden können.
«Schatz, mir ist kalt», säuselt sie mit Unschuld in der Stimme, die so falsch ist wie ein Cliffhanger auf der letzten Seite eines Buches. Ich öffne ein Auge, noch benommen von meiner halb-geschlossenen Traumwelt, und bevor ich realisiere, was geschieht, greifen sie zu.
Die Füsse. Ihre Füsse – diese verfluchten, eiskalten Werkzeuge des Terrors – schieben sich unter die Decke und suchen ihren Weg. Langsam, zielstrebig, mit der Präzision eines Scharfschützen. Sie finden mich. Sie finden mich! Und dann der Kontakt.
Es ist, als hätte man mir zwei Eiswürfel direkt auf die Kniescheiben gepresst. Mein Körper zuckt zusammen, als würde ich unter Strom stehen, und ich bin sicher, meine Seele hat in diesem Moment kurzzeitig den Körper verlassen, um sich ein wärmeres Plätzchen zu suchen.
«Nur kurz wärmen, Schatz», haucht sie, als sei das ein völlig akzeptables Vorgehen.
Kurz? KURZ? Die Temperatur an meinen Beinen sinkt unter den Gefrierpunkt, während ich innerlich schreiend überlege, wie ich aus dieser Situation entkommen könnte. Doch es gibt kein Entkommen. Sie hat sich festgesetzt, ihre Füsse haben sich wie ein Kälteschloss um meine Waden gelegt, und ich spüre förmlich, wie mein Blut sich weigert, weiter zu zirkulieren.
«Endlich», murmelt sie zufrieden, während ihre Füsse an meinen Beinen kleben wie zwei gefrorene Raclette-Pfännchen. Mein Körper kämpft mit letzter Kraft gegen die arktische Invasion, während sie friedlich ins Traumland entschwebt.




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