Max’ Politik – Ein Meinungsumschwung in Echtzeit

 

Meinem Freund Max hätte man nie das Stimm- und Wahlrecht geben dürfen. Seine politischen Ansichten schwanken schneller als der Milchpreis in der Migros – und das alles nur, weil er morgens die falsche Zeitung aufgeschlagen hat.

Wenn er das Bild einer ölverschmierten Möwe im «Blick» sieht, empört er sich: «Diese verdammten Öltanker! Warum werden die nicht endlich verboten? Man sollte das Öl in Lastwagen transportieren! Dann könnte diese Möwe morgen noch leben!»

Doch wenn er am nächsten Tag hört, dass Umweltaktivisten die Autobahn blockieren, schreit er: «Diese verdammten Klimakleber! Die bringen die Möwen um! Wenn die den Verkehr lahmlegen, müssen wir das Öl ja wieder mit Tankern transportieren!»

Ein einziger Polizeieinsatz kann seine Meinung zur Staatsgewalt komplett umkrempeln. Sieht er im Fernsehen, wie Demonstranten mit Wasserwerfern abgespritzt werden, ruft er: «Diese Polidioten! Die sollten lieber die ölverschmierten Möwen abspritzen! Das ganze Korps gehört gründlich nach Kommunisten durchsucht! Ich wette, sogar der Polizeikommandant ist einer!»

Doch am nächsten Tag, wenn er liest, dass die Polizei irgendwo eine Besetzung räumt, brüllt er: «Endlich tut die Polizei mal was! Man sollte denen noch mehr Kompetenzen geben! In diesem Land herrscht viel zu viel Chaos!»

Aber wenn er am Sonntag hört, dass ein Polizist übermässig hart gegen einen Demonstranten vorgegangen ist, schreit er: «Diese Faschos! Die ganze Polizeidirektion gehört nach Nazis durchsucht! Ich wette, sogar der Polizeikommandant ist einer!»

Und wenn dann irgendwo ein katholischer Priester verhaftet wird, schnaubt Max: «Diese Kirche! Diese heuchlerische, verlogene Bande! Man sollte alle Klöster schliessen und jeden Bischof unter Hausarrest stellen! Der Papst? Weg mit dem! Die Kirchensteuer? Sofort abschaffen!»

Doch als er am nächsten Tag liest, dass in Frankreich eine Kathedrale zu einem Kulturzentrum umgebaut werden soll, rastet er aus: «Unfassbar! Unser christliches Erbe wird mit Füssen getreten! Die Kathedralen sind das Fundament unserer Kultur! Wenn wir so weitermachen, gibt es bald mehr Moscheen als Kirchen! Ich sage euch: Die Schweiz braucht wieder mehr Religion! Aber ohne Bischöfe! Und ohne Kirchensteuer! Und der Papst muss weg!»

Was die Weltpolitik betrifft, hat Max für alles eine spontane Meinung. Hört er, dass der Iran Uran anreichert, empört er sich: «Iran – Uran, da ist doch nomen schon omen! Angereichertes Iran, so sollte man das nennen! Und dann sind das auch noch alles Männer! Die brauchen keine Atombombe, die brauchen Gruppentherapie!»

Wenn er dann aber liest, dass Russland irgendwo einmarschiert ist, ruft er: «Die Russen sollten überall einmarschieren, wo Chaos herrscht! Die würden in der Schweiz endlich für Ordnung sorgen!» Doch wenn er dann erfährt, dass die Russen tatsächlich irgendwo einmarschiert sind, tobt er: «Diese Imperialisten! Die UNO muss sofort eingreifen! Aber die UNO ist ja selbst ein Teil des Problems! Diese Gutmenschen-Organisation ist das Schlimmste, was der Menschheit seit der Erfindung der fettfreien Mayonnaise passiert ist!»

In der Schweizer Politik ist er ebenso flexibel. Am Montag fordert er die Abschaffung aller Kantone, am Dienstag aber die Gründung eines Kantons Max, damit er sich selbst eine Steueramnestie erlassen kann. Am Mittwoch will er die SVP wählen, weil er an der Kasse im Coop hinter einer Portugiesin warten musste («Die haben ja alle zehn Cousins, und für die kaufen die dann natürlich auch ein!»). Am Donnerstag hingegen will er die SP wählen, weil er beim Zahnarzt war und erfahren hat, was eine Krone kostet («Gesundheit muss gratis sein! Oder wenigstens mit Rabatt!»).

Am Freitag beschliesst Max, dass Demokratie völlig überschätzt wird: «Diese ewigen Abstimmungen! Jedes Mal muss ich mich informieren, und dann stimmen die anderen trotzdem falsch! Man sollte die Schweiz einfach zu einer Monarchie machen – aber mit wechselnden Königen! Je nach Tagesform! Also heute ich, morgen vielleicht Roger Federer. Aber nur, wenn er meine Steuerreform übernimmt!»
Am Wochenende überlegt er sich dann, ob er nicht einfach nach Liechtenstein auswandern soll. Aber nur, wenn er keine Steuern zahlen muss.

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