Ich wäre so gerne woke, aber mein Konto ist dagegen

 

Ehrlich gesagt, ich würde ja wirklich gerne woke sein. Aber es geht nicht. Ich kann es mir einfach nicht leisten! Woke zu sein ist ein teures Hobby, fast so teuer wie Golf oder eine Ehe mit einer Veganerin. Ich meine, ich sehe ja, wie die das machen: Vegane Sushi-Bowls für 18.50 Franken, fair gehandelte Espressi, die dreimal so viel kosten wie ein normaler Kaffee, und dann diese schicken Bio-Hanf-Sneakers, die aussehen, als wären sie aus dem Altglas-Container recycelt worden.

Ich hingegen muss meine Sneakers so lange tragen, bis das Profil so abgenutzt ist, dass ich auf dem Trottoir ausrutsche und mir den Arm breche – woraufhin ich den Gips selbst zahle, weil ich privat versichert bin und nicht in der Krankenkasse von Amnesty International.

Ich wäre auch gerne woke, ich schwöre! Aber mein Konto ist dagegen.

Letzte Woche war ich mit meiner Frau im Reformhaus, weil sie sich ein «nachhaltiges Waschmittel» kaufen wollte. Ich dachte erst, das sei ein Scherz, aber nein, das Ding kam in einer Papiertüte und hatte eine handgeschriebene Etikette mit dem Namen der Seifenmacherin: «Von Silvia mit Liebe gesiedet.» Ich musste mich beherrschen, nicht laut loszulachen. Liebe kann ich mir nicht leisten. Ich brauche ein Waschmittel, das nach Chemielabor riecht und meine Wäsche so gründlich reinigt, dass selbst das FBI keine DNA-Spuren mehr findet. Aber nein – Silvia und ihre Jutebeutel-Armee wollen, dass ich für 32 Franken ein Produkt kaufe, das in der Badewanne schimmelt, wenn es feucht wird.

Ich war auch mal in einem Bio-Laden. Ich dachte, ich gönne mir was Gutes. Ich kaufte ein Brot, es kostete so viel wie eine Tankfüllung. Die Verkäuferin trug einen Nasenring und hatte einen Blick, als würde sie mir jeden Moment ein Anti-Kapitalismus-Manifest in die Hand drücken. Ich fragte sie: «Warum ist das Brot so teuer?» Sie sagte: «Es ist aus uraltem Getreide gemacht.»

Ich dachte: Ja, das sieht man.

Drei Tage später war es steinhart. Ich konnte es nur noch als Wurfgeschoss verwenden. Ich bringe es zurück und sage: «Ihr Brot ist schon schlecht.» Die Verkäuferin schaut mich an, als hätte ich Greta Thunberg als Maskottchen für einen Ölkonzern vorgeschlagen.

«Es muss schimmeln», sagt sie. «Das ist Natur!»

Aha. Bio ist also, wenn das Brot viermal so teuer ist, aber genauso schnell schimmelt wie das billige vom Discounter..

Wenn ich woke wäre, könnte ich endlich Ferien in Berlin machen. Ich könnte mich in ein Airbnb setzen, das einem Gentrifizierungsopfer gehört, und Craft Beer trinken, während ich einem DJ zuhöre, der aussieht wie ein barfüssiger Informatikstudent mit Vitamin-D-Mangel. Ich könnte in ein veganes Restaurant gehen und mein Essen mit Stäbchen essen, weil Gabeln «kolonialistisch» sind. Ich könnte mit meiner genderneutralen Freundin (rein platonisch natürlich!) in einem Second-Hand-Kaufhaus ein «Statement-Piece» kaufen, das aussieht wie der Vorhang aus der Stube meiner Grossmutter.

Aber nein – ich bleibe, wo ich bin, und esse ein Schnitzel.

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