Mission: Steak Impossible

 

«Also, wenn ich’s richtig verstehe,» sage ich langsam, während ich mein perfekt gebratenes Steak in mundgerechte Stücke schneide, «isst du jetzt nur noch Dinge, die nicht geschrien haben, als man sie geerntet hat?»

Max nippt an seinem Kräutertee – selbstverständlich aus einer Tasse mit einem traurigen Eisbären drauf – und stochert lustlos in seiner Schüssel Quinoa, als hoffe er, darin doch noch ein Stück Geschmack zu finden. «Genau.»

Ich spiesse ein Stück Fleisch auf die Gabel und halte es hoch. «Was ist mit Rüebli? Die werden doch lebendig aus dem Boden gerissen. Man hört sie nur nicht, weil sie keine Stimmbänder haben.»

Max verdreht die Augen. «Sehr lustig.»

«Danke.»

Es ist seltsam. Früher haben wir zusammen Burger gefuttert, Hähnchenflügel mit scharfer Sauce vernichtet und anschliessend philosophische Debatten über die perfekte Knusprigkeit von Speck geführt. Jetzt sitzt mir ein Mann gegenüber, der aussieht, als hätte er sich selbst ins Reformhaus verbannt. Er trägt eine Leinenhose, die aussieht, als wäre sie aus recycelten Wahlplakaten gemacht, und seine Aura riecht nach Verzicht.

«Weisst du eigentlich, was du da isst?» fragt er mit einem vorwurfsvollen Blick. «Das ist pures Tierleid. Antibiotika, Hormone, Angst.»

«Und Geschmack!» unterbreche ich ihn und schiebe mir genüsslich ein gutes Stück Steak in den Mund.

Max atmet tief durch. «Ich hab mich entschieden, meinen Körper nicht mehr als Friedhof für Tierkadaver zu benutzen.»

Ich kaue. Genüsslich. Langsam. Und lächle. «Mein Körper ist ein Tempel. Und in diesem Tempel wird geopfert.»

Max sieht mich an, als würde er in diesem Moment ernsthaft überlegen, ob Mord an Fleischessern unter Notwehr fällt. Doch dann passiert das Unfassbare.

Während er mich noch mit seinem ethischen Laserblick durchbohrt, wandert sein Blick immer wieder zu meinem Teller. Dann zu seinem. Dann wieder zu meinem.

«Ist alles in Ordnung?» frage ich scheinheilig.

«Ja, ja! Ich bin total zufrieden mit meinem…» – er schaut auf seine Schüssel Quinoa. Aber seine Augen sagen etwas anderes. Sie sagen: Gib mir das verdammte Steak!

Und dann passiert es.

Er lehnt sich vor, schnüffelt unauffällig, und – zack! – schneller als ein geöltes Wiesel springt seine Gabel vor und reisst mir das Steak aus der Hand!

«MAX!» rufe ich entsetzt.

Er keucht. Sein moralischer Kompass schreit, aber sein Magen jubelt.

«Ich… ich… ich bin schwach!» ruft er und beisst rein.

Ein Moment des Schweigens.

Dann bricht er zusammen. «Oh Gott… es ist so gut! Ich spüre die Freiheit! Die Röstaromen! Die pure, saftige Sünde!»

Ich lehne mich zurück, grinse und nehme genüsslich einen Schluck meines Biers. «Willkommen zurück, Bruder.»

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