Max und das Wunder der unbefleckten Empfängnis

 

«Es fing ganz harmlos an», sagte Max und rührte gedankenverloren in seinem Kaffee. «Ein bisschen Bauchweh, ein leichtes Völlegefühl, das Übliche nach einer durchzechten Nacht mit fünf Dönern und einer zweifelhaften Entscheidung für eine Doppelfamilienpackung Vermicelles mit extra Rahm. Aber dann …» Er hielt dramatisch inne. «Dann bewegte es sich.»

Ich zog die Augenbrauen hoch. «Dein Magen?»

«Mein Kind!», rief Max entrüstet. «Also ging ich zu Dr. Biedermann. Er machte einen Ultraschall, runzelte die Stirn und sagte dann: ‚Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger!‘»

Ich verschluckte mich fast an meinem Tee. «Und du hast das einfach so akzeptiert?»

Max seufzte. «Natürlich nicht! Ich sagte: ‚Herr Doktor, das ist doch biologisch unmöglich!‘ Und er antwortete: ‚Laut Biologiebüchern von 1956 vielleicht. Aber wir leben in einer modernen Welt. Ihr Körper hat sich entschieden, ein Kind auszutragen, und ich finde, das sollten wir respektieren.‘»

«Max, das ist absurd!»

Er winkte ab. «Ich war auch skeptisch, also holte ich eine Zweitmeinung ein. Ich ging zu Frau Dr. Wehling – du weisst schon, die mit der esoterischen Praxis. Sie legte ihre Hände auf meinen Bauch, schloss die Augen und sagte: ‚Oh Max, ich spüre hier etwas.‘»

«Ja, wahrscheinlich deinen Döner von gestern.»

«DAS habe ich auch gesagt», rief Max. «Aber sie sagte: ‚Nein, das ist Energie! Leben! Ein kleiner Geist, der in dir heranwächst!‘ Dann hielt sie inne, wurde ganz ernst und fragte: ‚Weisst du, wer der Vater ist?‘»

Ich prustete los. «Und, weisst du es?»

Max lehnte sich verschwörerisch nach vorne. «Das ist ja das Seltsame! Sollte ich nicht eigentlich die Mutter sein?» Er tippte sich nachdenklich an die Stirn. «Ich glaube, mein Körper hat da was durcheinandergebracht. Vielleicht bin ich einfach zu progressiv. Vielleicht bin ich Pionier einer neuen Generation.»

Ich hielt mir den Kopf. «Max, du hattest einfach Blähungen.»

«Sagte auch Dr. Hakimi.»

«Oh nein …»

«Doch! Ich ging noch für eine Drittmeinung hin. Er schaute mich an, seufzte und sagte: ‚Junger Mann, Sie sind nicht schwanger. Sie sind ein Fall für die Meteorologen. In Ihrem Bauch herrscht Tiefdruckgebiet mit Sturmwarnung.‘ Und dann – ich schwöre, das ist wahr – drückte er mit beiden Händen auf meinen Bauch, und …»

Max hielt inne, schaute nachdenklich zur Decke und sagte schliesslich: «Sagen wir es so: Ich habe den Druck der Geburt unterschätzt. Es war … explosiv.»

«Max …»

«Die Fenster vibrierten. Eine Krankenschwester liess schockiert ihr Stethoskop fallen. Ein Kollege von Dr. Hakimi murmelte: ‚Ich habe so etwas zuletzt bei einer Kuh in der Veterinärmedizin gesehen.‘»

Ich schlug die Hände vors Gesicht. «Und jetzt?»

Max zuckte mit den Schultern. «Jetzt bin ich ein freier Mann. Ohne Kind, aber mit einer wertvollen Erkenntnis: Schwangerschaft ist anstrengend.»

«Max, du bist unmöglich.»

Er nahm einen Schluck Kaffee und grinste. «Ja. Aber immerhin nicht mehr schwanger.»

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