Max kauft einen Hund

 

Mein lieber Freund Max hat beschlossen, sich einen Hund zu kaufen. Warum? Weil er das Gefühl hat, dass er endlich jemanden braucht, der ihm bedingungslos zuhört. Jemanden, der ihm nicht ungefragt Ratschläge gibt, der nicht nachfragt, warum er sein drittes Bier schon um 14:30 Uhr aufmacht, und der ihn nicht mit Sätzen wie «Also ich an deiner Stelle …» oder «Hast du schon mal über Meditation nachgedacht?» behelligt.

«Ein Hund verurteilt nicht», sagt Max und streicht eine imaginäre Träne der Erleichterung von seiner Wange. «Er schaut dich einfach nur an mit diesen tiefen, verständnisvollen Augen, während du deine Steuererklärung vor dir herschiebst. Und das ist alles, was ich im Leben brauche: Ein haariges Wesen, das mich versteht und gleichzeitig zu faul ist, um mir Tipps zu geben.»

Doch die Wahl des richtigen Hundes stellt sich als schwierig heraus. «Soll es ein Labrador sein?» frage ich.
Max schüttelt den Kopf. «Zu fröhlich. Ich brauche keine gute Laune in meinem Leben, ich brauche Bestätigung für mein Elend.»
«Vielleicht ein Dackel?»
«Zu arrogant. Ich will nicht von meinem eigenen Hund belehrt werden.»
«Ein Husky?»
«Bitte. Ich bin nicht fit genug für einen Hund, der dreimal täglich einen Marathon laufen will.»
«Chihuahua?»
Max erstarrt. «Ich will einen Hund, keine Handtaschenalarmanlage.»

Also blättert er weiter durch sein Buch Welche Rasse passt zu deinem inneren Chaos? und entdeckt schliesslich den perfekten Kandidaten: Einen Basset Hound.
«Schau ihn dir an!» ruft er begeistert. «Dieses Gesicht! Der Typ sieht aus, als hätte er vor zwanzig Jahren mal grosse Pläne gehabt und dann doch nur einen Job im Callcenter angenommen. Genau meine Energie.»

Ich muss zugeben, das passt perfekt. Max und der Basset Hound: Zwei Seelen, die nichts erwarten, aber sich gegenseitig in ihrer Enttäuschung unterstützen werden.

«Ich werde ihn Edgar nennen», verkündet Max. «Edgar wird mit mir auf dem Sofa liegen, meine schlechten Entscheidungen abnicken und mir niemals sagen, dass ich mich endlich mal um meine Altersvorsorge kümmern sollte.»

Ich nicke anerkennend. Edgar ist die perfekte Wahl. Ein Hund mit traurigen Augen für einen Mann mit traurigem Blick auf seine Kontoauszüge.

«Weisst du», sagt Max nachdenklich, «eigentlich wäre es gar nicht schlecht, wenn Menschen mehr wie Hunde wären.»
«Inwiefern?»
«Naja, sie sollten sich weniger einmischen, dafür aber mehr mit dem zufrieden sein, was ihnen vor die Nase gehalten wird.»

Dann greift er in seine Tasche und zieht eine Tube Leberwurst heraus. «Positive Verstärkung», sagt er, drückt einen Klecks auf seine Hand und hält sie mir grinsend hin.

Ich zögere. Dann denke ich an Edgar. Und daran, wie schön es wäre, einfach mal kommentarlos Leberwurst serviert zu bekommen, statt Diskussionen über Ernährungstrends führen zu müssen.

Ich lecke die Leberwurst von Max’ Hand.

Er schaut mich an. Ich schaue ihn an.

Wir nicken uns wortlos zu – zwei Wesen, vereint in der Erkenntnis, dass wahre Freundschaft bedeutet, sich gegenseitig nicht zu verurteilen.

Dann zieht Max grinsend eine zweite Tube aus der Tasche.

«Willst du Sitz machen, oder nimmst du sie einfach so?»

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