Das grosse Problem mit der grossen Sache

 

«Ich hab ein Problem», sagt Max, lehnt sich zurück und zieht dabei dieses Gesicht, das irgendwo zwischen Drama und Stolz pendelt. Ich ahne schon, dass jetzt wieder eine seiner epischen Beichten kommt – die Art, bei der man gleichzeitig Mitleid hat und lachen möchte.

«Ach, komm, Max», sage ich, «wieder Sabine aus der Buchhaltung?»
«Nein», sagt er und schüttelt den Kopf. «Das hier ist… grösser.»

Er beugt sich vor, senkt die Stimme und schaut sich um, als ob jemand unser Gespräch belauschen könnte. «Ich rede von meinem – sagen wir mal – grossen Talent.» Er macht eine Handbewegung, die keinen Raum für Interpretationen lässt.

«Oh, Max. Schon wieder?» sage ich, verdrehe die Augen und nehme einen Schluck Kaffee. Aber Max ist in Fahrt.

«Du verstehst das nicht! Das ist nicht witzig. Es ist eine tägliche Herausforderung! Weisst du, wie schwierig es ist, mit einem biologischen XXL-Diplom durchs Leben zu gehen?»

Ich setze an, ihm zu widersprechen, aber er hebt beschwichtigend die Hand. «Lass mich dir das erklären. Heute Morgen zum Beispiel: Ich will einfach nur aufstehen. Zack – Kreislaufprobleme. Weisst du, warum? Weil mein gesamter Blutvorrat sich dafür entschieden hat, einen Betriebsausflug nach Süden zu machen.»

Ich schnappe nach Luft, aber Max redet weiter: «Dann die Sache mit den Türen. Im Halbschlaf laufe ich gegen Türrahmen, reisse fast die Lampe runter, und mein Kater Mucki – du kennst ihn – schaut mich an, als würde er sich überlegen, auszuziehen.»

Der Punkt ist: Selbst mein Kater ist verstört! Und dann das Büro. Du denkst, die Jeans kaschiert alles? Falsch! Ich habe extra diese locker sitzenden Dinger gekauft, aber Sabine aus der Buchhaltung hat trotzdem diesen Blick drauf, du weisst schon, diesen ‚Freust du dich, mich zu sehen?‘-Blick. Und ich will einfach nur in Ruhe meinen Kaffee trinken.»

Ich versuche nicht zu lachen. Wirklich. Aber Max ist noch lange nicht fertig.

«Und dann die Dates!» Er schlägt mit der Hand auf den Tisch, was meinen Kater Luzi, der auf der Fensterbank döst, kurz zusammenzucken lässt. «Ich sitze da mit einer supernetten Frau, alles läuft gut, und dann weisst du: Irgendwann musst du es ansprechen. Du kannst sie ja nicht einfach ins Ungewisse laufen lassen. Also sagst du sowas wie: ‚Ähm, ich hab’ da unten… na ja, sagen wir mal, eine Überraschung.‘ Und sie fragt: ‚Wie gross?‘ Und du denkst: ‚Das war’s.‘»

Ich kann nicht mehr. Ich lache so sehr, dass ich fast meinen Kaffee verschütte. Aber Max bleibt ernst.

«Du lachst, aber das ist mein Leben! Fahrradfahren? Eine Qual! Sport? Vergiss es. Ich hab’ mal versucht, Kniebeugen zu machen – ich sah aus, als würde ich eine zweite Langhantel mit mir rumtragen. Und Schwimmbad? Hör auf! Kinder zeigen mit dem Finger und rufen: ‚Mama, der Mann hat eine Schlange gefangen!‘»

Jetzt rollen mir fast die Tränen runter. Max schüttelt nur den Kopf, als ob ich der empathieloseste Mensch der Welt wäre.

«Das ist nicht witzig, Mann», sagt er. «Die Leute denken immer, das wäre ein Geschenk. Aber es ist ein Fluch! Ich bin ein tragischer Held. Eine griechische Tragödie. Stell dir einfach vor, Herkules hätte versucht, in Skinny Jeans zu passen.»

Ich nicke, immer noch grinsend. «Weisst du was, Max? Vielleicht solltest du einen Blog darüber schreiben. Nenn ihn ‚Mein langes Leben‘.»

Max schnaubt, lehnt sich zurück und sagt: «Vielleicht. Aber zuerst brauche ich eine neue Hose.»

Die 3 neusten Beiträge

0 Kommentare