Es ist wieder so weit: Max hat zum Dinner eingeladen. Und weil ich ein guter Freund bin (oder einfach nicht lernfähig), sage ich zu. Die WhatsApp kam schon verheissungsvoll: -«Freu dich auf ein 5-Gänge-Menü!» – was bei Max ungefähr so beruhigend klingt wie «Ich habe einen Kettensägekurs gemacht und suche Freiwillige.»
Gang 1: Der Gruss aus der Küche
Der Abend beginnt mit einem «Amuse-Gueule», das diesen Namen trägt, weil es meinen Gaumen amüsiert hat, zu erraten, was es mal war. Max präsentiert stolz seine Kreation: ein «Tomaten-Mango-Carpaccio mit Schäumchen». Übersetzt heisst das: Drei Scheiben matschiger Mango, die aussehen, als hätten sie in einem Wrestling-Match gegen eine überreife Tomate verloren. Der «Schäumchen»-Effekt stammt vermutlich von Spülmittelresten im Mixer. «Das ist Fusion-Küche», sagt Max. Fusion von Chaos und Unverstand, denke ich, aber ich lächle.
Gang 2: Die Suppe
Weiter geht’s mit einer «Bouillabaisse», die aussieht wie der Inhalt eines Aquariums nach einem Stromausfall. «Alles frisch gefangen!», sagt Max, und ich überlege kurz, ob er heimlich die Frenke abgefischt hat. Die Muscheln sind so zäh, dass sie vermutlich bei ihrer Lebzeit Triathlons geschwommen sind. Der Sud ist indes so salzig, dass ich danach dringend einen Elektrolytausgleich bräuchte – oder eine Überweisung zur Dialyse.
Gang 3: Der Hauptgang
Max serviert Entenbrust. «Sous-vide gegart», verkündet er mit der Selbstsicherheit eines Sternekochs. Was er verschweigt: Die Entenbrust hat wohl zwei Wochen Sous-vide in einer Mülltonne verbracht, bevor sie in die Pfanne wanderte. Aussen verkohlt, innen roh – ich wusste gar nicht, dass man ein Stück Fleisch gleichzeitig in Kohlenstoff und Tartar verwandeln kann. Die Beilage ist ein «Cremiges Pastinakenpüree», das aussieht wie Baustellenschlamm und genauso schmeckt.
Gang 4: Der Käse
Es folgt die Käseplatte. Normalerweise ein sicherer Hafen in jedem Menü. Nicht bei Max. Er hat irgendeinen französischen Käse entdeckt, der angeblich «nach Wald und Erde schmeckt». Leider schmeckt er nur nach Erde. Und zwar so intensiv, dass ich kurz nach einer Wurmspur suche.
Gang 5: Das Dessert
Zum Abschluss kredenzt Max eine Crème brûlée. Sagt er. In Wirklichkeit serviert er eine Schale mit flüssigem Zucker, der beim ersten Löffel abkühlt und die Konsistenz von Superkleber annimmt. Ich bin mir sicher, ich habe einen Zahn verloren, aber Max strahlt: «Ist sie nicht perfekt karamellisiert?» Ja, Max. Perfekt karamellisiert, wenn man in der Hölle kocht.
Max ist überzeugt, ein begnadeter Chefkoch zu sein. Und vielleicht hat er recht – aber nur, wenn der Massstab ist, wie oft man sein Essen als Nahkampfwaffe einsetzen könnte. Am Ende des Abends lächle ich tapfer, während ich innerlich bete, dass die nächste Einladung entweder ein Raclette-Abend wird oder dass Max sich auf Fast Food spezialisiert. Bis dahin verabschiede ich mich mit einem herzhaften: «War super, Max!» – und einem mentalen «Nie wieder.»




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