Wir leben in einer Welt, in der man Selbsthilfebücher wie Panini-Sammelbildchen hortet. Es gibt sie alle: Die «Du kannst alles sein»-Superstars, die «Lass los und werde reich»-Trainerkarten und natürlich die «Bekämpfe deinen inneren Schweinehund»“- Motivationschampions.
Irgendwo gibt es immer diesen einen Typen, der alles versucht hat und dir nun breit grinsend erklärt, dass es für ihn – natürlich nur für ihn – funktioniert hat. Seine Lösung: Yoga, Meditation, Atemübungen, und, warum auch nicht, das innige Gespräch mit deinem inneren Kind, das währenddessen Hafermilch trinkt.
Kürzlich dachte ich mir: «Weisst du was? Ich probiere es jetzt aus. Ich werde einer von denen! Erleuchtet, strahlend wie frisch poliertes Silber und mit einer Morgenroutine, die so perfekt ist, dass sie direkt aus einer Hochglanz-Werbung stammen könnte.» Also ab in die Buchhandlung nach Liestal. Dort stand ich vor einem Regal, das aussah, als hätte jemand absichtlich Überforderung als Design-Konzept gewählt: Titel wie «Erwache zum inneren Diamanten», «Achtsamkeits-Hack für Erfolg» oder mein persönlicher Favorit, «„Du bist ein heisser Feger – und so wirst du auch behandelt».
Ich entschied mich für ein Buch mit einem Cover, das so wirkte, als hätte es einen Wellnessurlaub in der Toskana gemacht. Der Autor: ein Typ namens Karmando Sunshine, der auf jedem Bild so lächelte, als hätte er gerade seinen Seelenfrieden in der Warteschlange beim Einwohneramt gefunden. Seine Lösung für ein besseres Leben: Um 5:30 Uhr aufstehen, kalt duschen, den Tag mit «Sonnengrüssen» starten und dann mindestens fünf Minuten in einem Raum sitzen, der «energetisch gereinigt» wurde.
Energieräume reinigen? Ich reinige normalerweise maximal meinen Kühlschrank – und das auch nur, wenn die Gemüsefächer anfangen zu riechen. Aber gut, ich wollte es ja versuchen. Also: Wecker auf 5:30 gestellt.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker, und ich, motiviert wie ein Faultier nach einer durchzechten Nacht, schleppte mich aus dem Bett. Die kalte Dusche? Ich dachte, ich erfriere. Sonnengrüsse? Ich sah eher aus wie eine verletzte Seemöwe in der Paarungszeit. Als ich dann im energetisch gereinigten Raum sass (aka mein Wohnzimmer, aus dem ich die leeren Bierdosen entfernt hatte), passierte… nichts. Kein Frieden, kein Glow. Nur ein leerer Magen und der Gedanke: «Vielleicht macht Karmando das einfach mit Schamanentee?»
Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Statt aufzugeben, buchte ich einen Live-Coaching-Workshop, der mir versprach, mein «inneres Feuer» zu entzünden. Der Guru – ein Typ namens «Chris», der aussah, als wäre er der uneheliche Sohn eines Proteinshakes – stand vorne und verkündete, dass wir alle die Antwort bereits in uns tragen. Die Antwort war nicht «Bier aufmachen», was ich ehrlich gesagt schade fand.
Es folgten Atemübungen, bei denen ich fast das Bewusstsein verlor, ein Ritual, bei dem wir alle unser «spirituelles Ego» in eine imaginäre Flasche stecken sollten (ich habe meine in eine Quöllfrisch-Flasche gepackt – fühlte sich passend an), und am Ende eine Meditation, bei der ich fast eingeschlafen wäre, hätte Chris nicht regelmässig «Denk an dein Licht!» gerufen.
Am Ende des Tages hatte ich keinen Seelenfrieden, aber eine Rechnung von 300 Fränkli und das vage Gefühl, dass ich vielleicht doch lieber mal meinen Balkon aufräumen sollte. Aber hey, immerhin habe ich jetzt ein Buch über energetische Reinigung, ein «inneres Feuer» (das sich wie Sodbrennen anfühlt) und die Erkenntnis, dass ich mich selbst liebe – vor allem in Jogginghosen mit einer Familienpackung Popcorn.
Und das, liebe Leute, ist doch eigentlich das wahre Geheimnis der Selbsthilfe.




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