Diät? Nein, danke! Ich lebe lieber gefährlich.

 

Warum eigentlich achte ich seit Jahren von morgens bis abends auf mein Gewicht? Ich bin praktisch eine wandelnde Kalorientabelle. Letzte Nacht bin ich sogar aufgewacht, weil ich im Traum eine Bratwurst gegessen hatte – und natürlich musste ich sofort auf die Waage, um zu überprüfen, ob mein Körper diesen Frevel bereits in Fettpolster umgewandelt hatte. Die Waage zeigte exakt dasselbe Gewicht an wie am Abend zuvor, aber ich traue ihr nicht. Vielleicht ist sie Komplizin der Ernährungsindustrie.

Warum mache ich es nicht einfach wie meine fetten Freunde, die sich eine Familienpackung Zweifel-Chips kaufen und dabei fröhlich verkünden: «Nur für den Fall, dass ich auf dem Weg ins Restaurant Hunger bekomme.» Diese Menschen haben das Leben verstanden. Sie lachen, und ihr ganzer Körper lacht mit. Ihre Körpermasse gerät in eine rhythmische Wellenbewegung, die fast meditativ wirkt. Ein Zen-Garten aus Haut und Fett.

Ich hingegen bin eine Diät-Maschine. Ich spüre es sofort, wenn ich hundert Gramm schwerer bin. Vielleicht habe ich versehentlich eine Weintraube zu viel gegessen? Vielleicht hat sich ein Luftmolekül in meinem Magen verirrt? Sicherheitshalber esse ich einfach immer so wenig, dass ich hungrig ins Bett gehe. Und dann träume ich von Essen – doch genau wie beim geträumten Sex ist es nie wirklich befriedigend. Aber immerhin hat man mal eine Wurst im Mund!

Trotzdem lohnt es sich, schlank zu bleiben. Denn sobald man dick wird, beginnt die Welt, sich gegen einen zu verschwören. Die Treppen werden steiler, die Stühle kleiner, die Flugzeugsitze enger. Plötzlich lächeln die Stewardessen nicht mehr so freundlich, wenn man sich Richtung Toilette kämpft – sondern blicken panisch, als müsste sie gleich eine Evakuierung einleiten.

Doch religiös gesehen ist Übergewicht irrelevant. Gott macht keine Gewichtskontrollen an der Himmelspforte. Mein Freund Max hat mal gesagt: «Wäre Jesus dick gewesen, würde ihn heute kein Mensch kennen.» Und er hat recht! Man stelle sich vor, Jesus hätte nicht übers Wasser gehen können, weil das Gewicht nicht mitspielte. „Und dann verteilte er fünf Brote und zwei Fische … und ass alles selbst.» Das wäre ein PR-Desaster für das Christentum geworden!

Übergewicht ist in vielen Bereichen ein Nachteil – ausser auf dem Campingplatz. Da ist es sogar erwünscht! Man könnte fast sagen, ein Campingplatz ist ein geschütztes Reservat für Menschen, die nicht mit Kalorienzählen belästigt werden wollen. «Mister Campingplatz» wäre eine der wenigen Titel, bei denen ein Bauchansatz als Trophäe gilt.

«Wie alle Kalorienzähler verachtest du dicke Leute nur, weil du neidisch auf ihr entspanntes Verhältnis zu Butter bist», sagt Max. Und da hat er vielleicht recht. Es macht mich wahnsinnig, wenn jemand nicht nur das Salz von den Rauchmandeln leckt – so wie es sich gehört – sondern die ganzen Mandeln einfach isst! Diese schamlose Masslosigkeit! Diese hemmungslose Genussfreude!

«Iss doch einfach mal so viel du willst», sagt Max. «Gegen Bluthochdruck gibt’s Medikamente. Du kannst die Pillen ja direkt in die Salami stecken, dann ist sie sogar gesund.»

Ja gut, aber was ist mit den Frauen? «Sei doch ehrlich», sagt Max, «was würdest du lieber haben? Einen leidenschaftlichen Zungenkuss oder die goldgelbe Kruste eines Schweinebratens?»

Schweigen.

Die Kruste. Natürlich die Kruste. Am liebsten mit diesem Fett an der Innenseite … vielleicht mit etwas Mark auf Brot … mit Butter … und Aromat! Gibt es im Universum etwas Besseres?

Und doch … ich bleibe diszipliniert. Ich verzichte. Und wofür?

«Weil ich keine neue Hose kaufen will», sage ich schliesslich.

Aber dann fällt mir ein: Ich könnte ja auch einfach eine Jogginghose tragen. Problem gelöst!

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