Es ist 23:07 Uhr. Das Bett sieht aus wie der perfekte Zufluchtsort, ein Paradies aus Kissen und Decken, die mich mit der Sanftheit einer Wolke in den Schlaf wiegen wollen. Alles ist bereit. Der Raum ist dunkel, das Fenster leicht gekippt, und irgendwo draussen zirpt eine Grille wie ein Naturfilm für Anfänger. Doch kaum lege ich meinen Kopf aufs Kissen, passiert es: Mein Hirn öffnet die Türen zu seinem grotesken Jahrmarkt der Gedanken.
Akt 1: Die Zirkusansage
«Meine Damen und Herren! Herzlich willkommen zur nächtlichen Denkweltshow! Heute im Programm: Selbstzweifel, unnötige Erinnerungen und philosophische Debatten, die absolut keiner Lösung bedürfen!» Die Menge (also ich) applaudiert widerwillig. Ich schliesse die Augen, doch der innere Quasselstrippen-Clown dreht das Megafon auf Anschlag.
«Sag mal, hast du eigentlich die Herdplatte ausgemacht?» flüstert es. «Natürlich habe ich das!» antworte ich in Gedanken. Aber mein Hirn gibt sich nicht geschlagen: «Bist du sicher? Stell dir vor, dein Toaster brennt gerade und die Feuerwehr muss kommen, während du friedlich hier liegst wie ein Faultier nach einem All-you-can-eat-Buffet!
Akt 2: Das Tribunal der Peinlichkeiten
Dann beginnt die Jury der Peinlichkeiten, Sitzung 743. Eine Richterin, die aussieht wie meine alte Kindergärtnerin Fräulein Schneeberger, räuspert sich. «Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie letztes Jahr ‚dir auch‘ gesagt haben, als der Kellner Ihnen einen guten Appetit wünschte? Erörtern Sie bitte, warum Sie soziale Interaktionen so gnadenlos ruinieren.» Die Geschworenen – eine Mischung aus Ex-Freunden, alten Klassenkameraden und einem ominösen Eichhörnchen – nicken ernsthaft.
«DAS war vor einem Jahr! Lasst mich schlafen!» rufe ich verzweifelt in die Dunkelheit, doch mein Hirn murmelt nur: «Sicher, sicher. Aber lass uns trotzdem noch mal drüber nachdenken.»
Akt 3: Wissenschaftliche Abgründe
Es wird still. Zu still. Ich denke, ich habe gewonnen. Doch plötzlich – ZACK – poppt ein neuer Gedanke auf wie ein ungebetener Pop-up-Werbespot:
«Wie funktioniert eigentlich Gravitation? Und könnte ein Hamster theoretisch in einem Mini-Raumanzug überleben?» Mein Hirn malt mir sogleich ein Szenario aus, in dem ich mit einem Hamster in einer Rakete durchs All düse, weil ich spontan Elon Musk über X angequatscht habe.
Finale: Der Schlafkapitulation
Gegen 3:42 Uhr, nach einem weiteren Gedanken-Exkurs über die Frage, ob Spaghetti emotional leiden, wenn man sie kocht, geschieht das Unvermeidliche: Mein Körper wirft die weisse Fahne. Ich schlafe ein – nicht, weil ich müde bin, sondern weil mein Gehirn vermutlich kurz mal Pipi machen gegangen ist.
Und dann, gefühlt 0,8 Sekunden später, reisst mich der Wecker aus diesem winzigen Schlummer. Meine Augen brennen, mein Hirn ist endlich still – bis auf eine leise Stimme, die triumphierend murmelt: «Bis heute Abend, gleiche Zeit?»




0 Kommentare