Der Fluch der ewigen Vorräte – Mein Leben zwischen Dosen und Paranoia

 

Ich bin der König der Vorratshaltung. Mein Gefrierschrank ist ein Mahnmal für den drohenden Weltuntergang, meine Speisekammer eine Mischung aus Prepper-Bunker und Tante-Emma-Laden der 60er. Ich kaufe so viel auf Vorrat, dass mir der lokale Coop irgendwann eine Ehrenplakette überreichen wird: «Für herausragende Verdienste in der Disziplin des Hamsterkaufs».

Es begann harmlos. Man kauft hier eine Packung Nudeln mehr, dort ein paar Dosen Ravioli – sicher ist sicher. Und dann, eines Tages, stellt man fest, dass man 27 Kilo Reis, 42 Konservendosen und genug Toilettenpapier für drei Pandemien besitzt. Es ist ein Moment der Erkenntnis, ein Erleuchtungserlebnis wie bei Buddha unter dem Feigenbaum, nur mit mehr Thunfisch in Öl.

Aber was wäre ein echter Prepper ohne die dazugehörige Ausrüstung? Ich besitze einen Campingkocher mit 20 Gaskartuschen, eine Solarlaterne für den totalen Stromausfall und selbstverständlich ein Wasserfilter-Set, das angeblich sogar aus Pfützen trinkbares Wasser zaubern kann. Ich sage: Falls die Apokalypse kommt, bin ich bereit! Meine Nachbarn allerdings nicht – aber keine Sorge, ich werde ihnen grosszügig ein abgelaufenes Knäckebrot anbieten.

Das Problem ist, dass ich nichts davon anrühre. Es ist ja mein Notvorrat! Was, wenn eine Krise kommt? Was, wenn plötzlich die Preise explodieren? Oder – und das ist die wahre Horrorvision – was, wenn ich irgendwann zu faul bin, einkaufen zu gehen? Dann stehe ich da, in meiner Küche, den Blick fest auf meine dreifach abgesicherten Notreserven gerichtet, und schmiere mir trotzdem ein trockenes Brot, weil: «Die Dosen sind für den Notfall!»

Ich stelle mir vor, wie zukünftige Archäologen meine Wohnung betreten und denken: «Ah, ein kulinarischer Tempel der frühen 2000er! Schau, diese originalverpackten Spaghetti von 2021!» Und sie werden voller Ehrfurcht die letzte unangebrochene Packung Zwieback aus dem Regal nehmen und flüstern: «Ein wahrer Asket.»

Die Krönung meiner Misere ist, dass ich manchmal das Haltbarkeitsdatum übersehe. Also nicht ein bisschen drüber, sondern so richtig. Letztens fand ich eine Dose Bohnen von 2017. 2017! Damals gab es noch Trump-Tweets und Fidget Spinner, aber ich hielt es für eine blendende Idee, Bohnen einzulagern wie ein Eichhörnchen, das für den Atomwinter plant. Ich öffnete sie probehalber – und sah Dinge, die ich nicht näher beschreiben will. Sagen wir so: Ich glaube, es war ein ökologisches Experiment auf dem Niveau von Jurassic Park.

Aber nein, ich lerne nichts daraus. Die Vorratshaltung ist mir ins Mark übergegangen, eine unheilbare Krankheit des «Man kann ja nie wissen». Vielleicht vermache ich sie eines Tages einer wohltätigen Organisation – zusammen mit 52 Dosen Tomatensuppe, einem Kurbelradio und dem Wissen, dass man immer, wirklich immer, mindestens fünf Packungen Kaffee in Reserve haben sollte. Sicher ist sicher!

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