Heute hat das Baselbieter Stimmvolk entschieden: Mit rund 67 Prozent Ja-Stimmen wurde der Doppelproporz angenommen. Ein Wahlrecht, das gerechter, genauer und für Mathematiklehrer vermutlich spannender ist als die Champions League.
Aber viel wichtiger: Max ist total aus dem Häuschen.
«Es ist soweit!», brüllt er und reisst die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Herrschaft über den Kanton übernommen. «DIE BEERPARTY KOMMT!»
Ich seufze. «Du meinst die Bierpartei?»
«Ja, genau! Dank diesem neuen Doppeldings-Proporz werde ich bald im Baselbieter Landrat sitzen und dort für die Rechte der Unterhopften kämpfen!»
Max meint es ernst. In seinen Augen flackert das heilige Feuer der politischen Berufung, das allerdings verdächtig nach 5,2 % Alkohol aussieht. Er ist felsenfest überzeugt, dass die Annahme der Wahlrechtsreform seine grosse Chance ist. «Wir haben jetzt echte Demokratie», verkündet er mit der Dramatik eines Revolutionsführers. «Endlich zählt jede Stimme, auch meine! Und das heisst, dass ich mich als Vertreter der biertrinkenden Bevölkerung zur Wahl stellen kann.»
«Max, ich glaube, du verstehst das System nicht ganz», wage ich einzuwenden.
Doch Max winkt ab. «Papperlapapp! Das ist der Proporz! Oder der Majorz! Oder der Doppelwhopper! Egal, auf jeden Fall bedeutet es, dass kleine Parteien wie meine jetzt eine Chance haben. Ich muss nur genug Leute finden, die mich wählen. Und das ist ja wohl einfach. Ich kenne viele durstige Leute.»
Ich versuche es mit einem sachlichen Ansatz. «Aber es gibt eine Prozenthürde. Du brauchst mindestens fünf Prozent im Wahlkreis, drei Prozent im ganzen Kanton.»
Max überlegt kurz, dann leuchten seine Augen. «Das ist ja genial! Ich gründe einfach Wahlkreis-Bars. Für jeden Wahlsprengel eine Stammbeiz. Wer ein Bier trinkt, wählt mich. Prost und Stimme abgeben – das ist doch Win-Win!»
Ich reibe mir die Schläfen. «Und dein Parteiprogramm? Du brauchst ja politische Inhalte.»
Max grinst. «Natürlich! Erstens: Gratisbier für alle über 18. Zweitens: Eine Happy Hour auf kantonaler Ebene. Drittens: Bier als offizielles Zahlungsmittel. Und viertens – und das ist wichtig – ein striktes Verbot von alkoholfreiem Bier. Wer das trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.»
Ich will protestieren, aber Max redet sich in Rage. «Wir werden den Baselbieter Landrat revolutionieren! Schluss mit langweiligen Sitzungen – wir führen eine Biertisch-Demokratie ein! Abstimmungen mit Bierdeckel-Hochhalten! Wer mehr als drei Runden auslässt, wird automatisch aus dem Parlament ausgeschlossen!»
Ich sehe ihn an. Er sieht mich an. Ich seufze. «Max, du weisst, dass das nicht so funktioniert, oder?»
Max nimmt einen tiefen Schluck. «Klar. Aber wenn Politik schon so kompliziert ist, warum soll ich sie nicht mit Bier erträglicher machen?»
Tja. Logik, der ich nichts entgegensetzen kann.




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