Max kauft seine Socken ausschliesslich im Internet. Nicht in normalen Shops, sondern an dunklen, zwielichtigen Orten des Netzes, wo Menschen mit seltsamen Vorlieben verkehren. Ich stelle mir vor, wie er sich nachts heimlich einloggt, eine spezielle Kryptowährung überweist und ein mysteriöser Händler ihm flüstert: «Diese Socken sind so schwarz, sie schlucken das Licht!» Und Max nickt zufrieden.
Warum nur schwarze Socken? Weil Max glaubt, Schwarz passe zu allem. Das klingt schlau, bis man seine Garderobe kennt: Er besitzt genau drei Hosen. Zwei ausgeleierte Jeans und eine schwarze Flanellhose mit einer Bügelfalte, die sich durch jahrelange Vernachlässigung in ein vages Textilgerücht verwandelt hat. Alle drei sind – Überraschung! – ebenfalls schwarz. Max nennt das einen «zeitlosen Look», ich nenne es den Dresscode für jemanden, der versehentlich zu seiner eigenen Beerdigung erschienen ist.
Doch das eigentliche Problem sind nicht die Hosen – es sind die Socken. Max wechselt sie nach einem System, das er als «nach Bedarf» beschreibt. Sein Bedarf ist jedoch mit den hygienischen Standards des Mittelalters vergleichbar. Während normale Menschen ihre Socken täglich wechseln, geht Max nach dem Prinzip: «Solange sie nicht von allein fliehen, sind sie noch tragbar.» Ich bin sicher, dass einige seiner älteren Exemplare mittlerweile ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben und nachts miteinander kommunizieren.
Einmal habe ich versucht, Max subtil auf das Thema Sockenhygiene hinzuweisen. Ich erzählte ihm von einem wissenschaftlichen Experiment, bei dem Forscher alte Socken unter dem Mikroskop untersucht und dabei Lebensformen entdeckt haben, die sich aus Protest gegen die Evolution entschieden hatten. Max nickte nur und sagte: «Interessant, aber meine Socken sind da drüber erhaben.» Er betrachtet sie nicht als blosse Fussbedeckung, sondern als treue Begleiter. Socken sind für ihn nicht einfach Stoff – sie sind Erinnerungen. Die schwarzen mit dem Loch am Zeh? Trug er beim Vorstellungsgespräch für seinen ersten Job. Die speckig-glänzenden, die sich längst in eine zweite Haut verwandelt haben? Hatten ihn durch die letzte Grippe begleitet. Das legendäre Paar, das nach einer 90-Grad-Wäsche immer noch den olfaktorischen Charme eines Sportinternats verströmte? Hatte ihn schon durch seine ersten Gehaltsverhandlungen begleitet.
Natürlich wird Max regelmässig mit der absurden Forderung konfrontiert, seine Socken zu waschen. Doch Max hat Prinzipien. Er wäscht sie erst, wenn sie eine gewisse Steifigkeit erreicht haben. In besonders schweren Fällen setzt er auf alternative Reinigungstechniken: Einfrieren (bringt nichts), Febreze (verschlimmert alles) oder das berühmte «Auf-den-Balkon-hängen-und-hoffen». Einmal wurde die Hausverwaltung darauf aufmerksam, weil jemand eine Gasleckwarnung ausgesprochen hatte.
Aber Max bleibt standhaft. Schwarze Socken sind für ihn keine Fussbedeckung – sie sind eine Lebenseinstellung. Und solange seine drei Hosen existieren, wird sich daran nichts ändern.




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