Mein Kumpel Max und der Kampf mit dem Buch

 

Neulich hat sich Max, der mutigste aller Netflix-Binger, ein Buch bestellt. Ja, ein echtes Buch! Bei Amazon. «Endlich mal was für den Geist», hat er gesagt, als wäre sein Hirn ein heruntergekommener Schuppen, den man mal ordentlich durchfegen muss. Das Buch kostete Fr. 19,99 – ein stolzer Preis, wie er fand. Dafür krieg ich sonst zwei Döner oder zwei Packungen Tiefkühlpizza», meinte er. Aber gut, Kultur kostet eben.

Zwei Tage später kam das Buch an. Max war begeistert: 432 Seiten pure Literatur. «Der Ozean der verlorenen Erinnerungen» – ein Titel, der nach Tiefgang und tragischen Schicksalen klang. «Das ist was für den Abend auf dem Balkon», erklärte er mir, obwohl er keinen Balkon hat. Aber die Idee zählt, dachte ich.

Der erste Stolperstein kam, als Max das Paket öffnete. «Das ist ja gar kein Hardcover!», empörte er sich, als hätte man ihm einen Staubsauger statt eines Diamantrings geliefert. Das Buch war ein Taschenbuch, dünnes Papier, labbriger Einband. «Wie soll ich da das Gefühl von echtem Wissen bekommen?», fragte er mich. «Das knickt doch schon, wenn ich nur schief gucke!»

Trotzdem setzte er sich an seinen Küchentisch, bereit, die Literatur zu erobern. Doch schon beim Aufschlagen begann das Drama. «Warum riecht das nach Druckerei und Enttäuschung?», murrte er. Er schnüffelte am Buch wie ein Spürhund auf Diät, zog dann die Nase kraus und meinte: «Riecht so Literatur? Kein Wunder, dass das niemand mehr liest.»

Dann fing er an zu lesen. Nach fünf Minuten liess er das Buch sinken. «Sag mal», begann er, «ist das normal, dass man die erste Seite drei Mal lesen muss, weil man nicht kapiert, was da steht?» Ich war ehrlich: «Kommt drauf an. Worum geht’s denn?» Max blätterte hektisch zurück. «Irgendwas mit einem Mann, der an einem Fluss steht und über das Leben nachdenkt. Aber ich dachte, das Buch wäre spannend!»

Nach einer Viertelstunde hatte Max genau zwei Seiten geschafft. «Wie schaffen Leute das?», fragte er und wedelte mit dem Buch, als wäre es eine Geheimwaffe gegen Langeweile. «Das ist ja anstrengender als Ikea-Möbel ohne Anleitung zusammenzubauen!»

Das Umblättern frustrierte ihn. «Warum sind die Seiten so dünn? Man braucht ja die Fingerfertigkeit eines Uhrmachers!»

Nach einer Stunde hatte er es bis zur vierten Seite geschafft. «Da steht immer noch dieser Typ am Fluss!», schimpfte er. «Warum bewegt er sich nicht? Warum macht er nichts? Soll ich ihm einen Tritt verpassen?» Die Augen von Max waren glasig, und seine Motivation war im Keller. «Ich glaube, Bücher sind einfach nicht mein Medium», seufzte er.

Am nächsten Tag schrieb er eine Rezension auf Amazon: «Leider nicht mein Geschmack. Handlung zieht sich wie Kaugummi. Habe es nach vier Seiten wieder verkauft. Zustand: neuwertig.»

Jetzt liest Max wieder Tweets. 280 Zeichen – das ist genau sein Tempo.

 

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