Wenn der Morgenkaffee fehlt: Ein Drama in drei Akten

 

Gestern war ich im Coop. Mit einer Einkaufsliste, die so akkurat war, dass sogar ein Schweizer Uhrmacher applaudiert hätte. Ich habe mich tapfer durch die Gänge geschlagen, zwischen Leuten, die die Regeln des Einkaufswagens-Führerscheins offensichtlich nicht bestanden haben. Ich habe Avocados inspiziert wie ein Juwelier einen Diamanten, habe mich für die günstigere Milch entschieden (Stolz!) und vor dem Regal mit den Sonderangeboten den grossen Existenzialismus des Lebens gespürt.

Akt 1: Die Shopping-Odyssee Doch dann – das Unfassbare. Der Kaffee! Vergessen. Einfach ausgelassen wie ein Nebencharakter in einer Netflix-Serie. Ich habe es nicht mal gemerkt. Ich räume zu Hause alles in den Schrank und denke noch: «Wow, heute war ich echt produktiv.»

Akt 2: Der Morgen des Grauens Heute Morgen dann der Schock. Sonntag. Ich schleppe mich in die Küche, halb Mensch, halb Bettlaken, und greife wie ein Zombie nach der Kaffeedose. Leer. Keine Rettung, kein Ersatz. Ich spüre, wie meine Seele den Körper verlässt und sich leise in die Ecke setzt, um dort zu weinen. Sonntag. Der einzige Tag, an dem die Schweiz beschlossen hat, dass niemand irgendetwas kaufen darf. Klar, wir könnten friedlich verhungern, solange es leise ist. Ich stehe da und realisiere, dass mein Sonntag ohne Kaffee so nutzlos ist wie ein Selfiestick in der Dunkelheit.

Akt 3: Die Verzweiflung Ich durchsuche die Küche wie ein Archäologe auf der Jagd nach einer verschollenen Hochkultur. Nichts. Kein Instantkaffee, kein Ersatzkoffein. Der Coop, mein treuer Lebensmittellieferant, ist geschlossen, und die Aussicht, bis morgen ohne Kaffee auszukommen, ist so schrecklich, dass ich kurz darüber nachdenke, mir einen Tunnel zum nächsten 24-Stunden-Shop zu graben. Aber dann, in einer letzten Verzweiflungstat, google ich «Was tun bei Kaffeekrise am Sonntag». Die Antworten? Ernüchternd: «Meditation», «kalte Dusche», «Mach dir einen Tee». Ihr versteht mein Problem nicht. Ich brauche Kaffee, keine seelische Erleuchtung!

Epilog: Lektionen des Lebens Hier sitze ich nun, kaffeelos und mit einem moralischen Hangover, den ich mir selbst zuzuschreiben habe. Ein Sonntag ohne Kaffee ist wie ein Film ohne Popcorn: möglich, aber irgendwie traurig. Ab jetzt wird Kaffee in meinem Haushalt so behandelt wie ein Heiligtum – oder wie der letzte Schokoriegel in einer Wohngemeinschaft. Morgen bin ich der Erste im Coop. Und ich kaufe nicht nur Kaffee, sondern auch noch einen Vorrat, der für den Fall eines nuklearen Winters reicht. Das lasse ich mir nicht nochmal passieren!

Die 3 neusten Beiträge

0 Kommentare