Ein Meisterwerk in Ammoniak

Ich liebe meinen Kater Luzi, ehrlich. Aber es gibt Momente, da zweifle ich kurz daran, ob er mich liebt oder einfach nur eine dunkle Freude daran hat, mich zu quälen. Denn jeden. einzelnen. Tag. schrubbe ich seine Pinkel-Katastrophen weg – immer neben dem Katzenklo.

Und ja, Luzi ist stolze 18 Jahre alt, ein wahrhaft biblisches Alter, was in Katzenjahren vermutlich irgendwo zwischen «weiser Schamane» und «unberechenbarer Greis» liegt.

Vielleicht liegt es am Alter, dass er das Klo manchmal knapp verfehlt. Oder – und das ist wahrscheinlicher – er ist einfach ein rebellisches Genie. Das Muster ist immer gleich: Kacken? Kein Problem! Das platziert er akkurat ins Klo, fast schon stolz. Aber das Pinkeln? Ach, das ist Kunst. Das muss daneben passieren, vorzugsweise so, dass es maximal stinkt und garantiert in jede Ritze fliesst, die man mit herkömmlichen Putzmitteln nur unter Fluchen erreicht. Ich glaube, er hat einen geheimen Vertrag mit den Herstellern von Desinfektionsmitteln.

Morgens, noch bevor ich überhaupt einen Kaffee getrunken habe, beginnt das Ritual. Ich betrete den Raum und werde von einem Duft begrüsst, der irgendwo zwischen «Ammoniakexplosion» und «postapokalyptischem Katzencafé» liegt. Luzi sitzt derweil in der Ecke, leckt sich selbstzufrieden die Pfoten und schaut mich an, als wollte er sagen: «Na, wie fühlst du dich als meine persönliche Putzfrau?»

Ich setze die Gummihandschuhe auf, bewaffne mich mit Schwamm und Reiniger und denke: Das ist mein Leben. Das ist Liebe. Das ist Wahnsinn. Und während ich auf den Knien den Boden schrubbe, schleicht Luzi um mich herum, schnurrend, als wollte er sagen: «Gute Arbeit, Mensch. Aber mach es gründlich.»

Was soll ich sagen? Er ist alt. Und ich will ja nicht streng mit ihm sein. Aber jedes Mal, wenn ich den Geruch einatme, überlege ich kurz, ob ich nicht eine durchgehende Windelmatte um das Katzenklo herum auslegen sollte. Oder ob ich einfach ein Zelt für mich und ihn baue – draussen im Wald. Aber am Ende, wenn ich die Schlacht gewonnen habe und Luzi sich mit einem majestätischen Satz in meinen Schoss wirft, schnurrend wie ein defekter Motor, denke ich: Ach, was soll’s. 18 Jahre Piss-Kunst sind halt auch eine Leistung. Und morgen beginnt das Ganze von vorne.

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