Mein Ticket in die High Society

 

Mein bester Freund ist immer noch Max, aber das könnte sich bald ändern. Denn kürzlich bin ich auf Heiri gestossen – ja, genau der Heiri, der früher schon nervte, aber heute eine Finanzmacht ist. Während ich noch überlege, ob ich mir ein neues Fahrrad leisten kann, plant Heiri sich eine eigene Privatinsel aus Marmor errichten zu lassen – mit beheizten Stränden.

Sein Reichtum stammt aus der Medizinaltechnik. «Krankheiten sind die neue Goldmine», erklärt er mir mit einem Schulterzucken. «Knochen verschleissen, Herzen stolpern, und ich verkaufe die passenden Ersatzteile. Die Nachfrage wächst exponentiell!» Und tatsächlich: Seine Firma verdient an menschlichem Verfall besser als eine Eiswürfelfabrik während einer Hitzewelle. «Ich sag’s dir, mein Geschäft boomt. Bis 2050 haben wir doppelt so viele Menschen über 80 – das sind alles künftige Premiumkunden!»

Ich überlege kurz, ob ich betroffen oder beeindruckt sein soll. Entscheide mich für Letzteres. Schliesslich ist Heiri nicht nur reich, er ist absurd reich. So reich, dass er seinen Kaffee nicht mit Milch trinkt, sondern mit von tibetischen Mönchen handgequirlter Macadamia-Essenz. So reich, dass er seine Haustiere – eine seltene Albino-Pfauenfamilie – ausschliesslich mit Bio-Lachs aus eigenen Fischfarmen füttert.

Natürlich stellt sich mir die Frage: Wie kann ich mich in diesen erlauchten Kreis einschleusen? Ein Leben voller Annehmlichkeiten, in denen Geld keine Rolle spielt, klingt ja doch irgendwie verlockend. Max allerdings hebt skeptisch die Augenbrauen. «Und jetzt willst du ihm also in den Hintern kriechen?», fragt er spöttisch. «Ach was», sage ich, «ich nutze nur strategische Networking-Möglichkeiten.»

Heiri steht nämlich vor einer finanziellen Herausforderung, die ich nie haben werde: Was tut man, wenn das Geld einfach nicht weniger wird? Seine Lösung? Eine Megayacht mit integriertem Hochofen. «Weisst du, man muss vorbereitet sein», sagt er, «wenn ich mal ablebe, lasse ich mich direkt an Bord einäschern.» Und damit nicht genug: Seine Asche soll in teurem Champagner serviert werden, «natürlich gut gesiebt, ohne grössere Partikel.»

«Ich bringe sogar Erfahrung mit!», werfe ich ein. «Ich habe mal versehentlich eine Wespe in meinem Glas mitgetrunken – kann also nicht schlimmer sein.» Heiri lacht laut, so wie es nur Leute tun, die noch nie in ihrem Leben in der Schlange beim RAV standen.

Natürlich geht sein luxuriöses Leben über extravagante Sterberituale hinaus. Er hat zum Beispiel beschlossen, seinen Privatjet loszuwerden. «Nur die neureichen Aufschneider haben noch eigene Flieger», erklärt er mir. «Die wirklich Wohlhabenden setzen auf Jet-Sharing.» Eine Philosophie, die mir gefällt – vor allem, weil ich mir nicht einmal einen Economy-Flug leisten kann.

Und dann gibt es da noch die Sache mit seinen Stören. Heiri besitzt fünfzig davon, die exklusiv für seinen privaten Kaviarbedarf gehegt und gepflegt werden. Alles nachhaltig und CO2-neutral, versteht sich. «Ein Mann mit Prinzipien», sage ich zu Max, der nur die Augen verdreht. «Ja, das Nachhaltigste an ihm ist wahrscheinlich wirklich sein CO2-Fussabdruck.»

Heiri lässt sich allerdings nicht von solchen Nebensächlichkeiten stören. Er hat grössere Probleme. Kürzlich erzählte er mir, dass er einfach nicht mehr weiss, was er mit seinem Geld anfangen soll. «Ich habe schon alles gekauft, was man kaufen kann. Autos, Inseln, eine private Opernkompanie … aber irgendwie fehlt mir der Kick!» Ich nicke verständnisvoll. «Vielleicht ein eigener Kontinent?», schlage ich vor. «Ich hab’s schon versucht», sagt er und seufzt. «Aber die UN war wenig kooperativ.»

Ich ignoriere Max’ missbilligendes Schnauben. Der Neid spricht aus ihm. Dabei ist es doch völlig legitim, sich in gehobene Kreise vorzutasten, oder? «Ich muss jetzt los», sage ich beiläufig. Und es stimmt: Ich bin mit Heiri zum Dinner verabredet – im neu eröffneten Kentucky Fried Chicken in Bubendorf. «Manchmal muss es bodenständig sein!», sagt er mit einem Lächeln, das nur Menschen beherrschen, die sich jederzeit ein Land kaufen könnten.

Beim Essen sinniere ich darüber, wie wohl mein Leben aussehen würde, wenn ich mich endgültig auf die dunkle Seite des Wohlstands schlage. Ich sehe mich bereits in massgeschneiderten Anzügen, die mir ein Butler morgens überreicht, während ich dekadent meine Steuererklärung von einem zehnköpfigen Expertenteam anfertigen lasse. Wäre es so schlimm, Teil dieses Kreises zu sein? Ich glaube nicht.

Heiri lächelt wissend. «Du gewöhnst dich dran», sagt er. Und ich fürchte, er hat recht.

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